SCHRIFTBILD # 1. 2009. Tinte auf Papier. 120 x 120 cm

Nachdem ich mich 11 Jahre lang der Fotografie hingegeben und nun ein Fotodiplom in der Tasche hatte, wollte ich ganz plötzlich nichts mehr damit zu tun haben. Die letzten 3 Jahre, in denen ich mich nur noch mit Flucht und Vertreibung, mit Krieg und Heimatlosigkeit befasst hatte waren mir zu nahe gegangen. Ich hatte die Themen so tiefgehend bearbeitet, dass ich mich davon erholen musste. So saß ich nun in meinem neuen Atelier in Berlin und beschloß, von nun an nur noch das zu tun was wirklich mir und meinem Wesen entspricht und alles nachzuholen was ich in den Jahren des Studiums vermisst hatte.

Monatelang las ich Bücher und Gedichte, zeichnete und philosophierte, drehte mich in Gedanken um Gott, die Welt und um mich selbst, ging stundenlang spazieren, versuchte zu schreiben und fand keine Worte, spürte in Schöneweide den Energien nach, die ganz offensichtlich die von Tausenden von Arbeitern unter Zwang, Krieg und Überwachung waren, verkroch mich in verlassen Gebäuden und Gärten

… spielte und seufzte …

und eines Tages stand ich auf, besorgte mir eine grosse Rolle Papier und Tinte und begann meditativ zu schreiben: “ Ich muss wieder schreiben, weil ich immer schreiben musste um mich nicht im Kreis zu drehen.

Als ich die Feder absetzte und das Ergebnis sah wusste ich, dass ich genau das gesucht hatte, dass es genau das war was ich in Zukunft machen wollte, dass das meine Sprache, mein Ausdruck und meine Heilung war. In den nächsten 2 Jahren isolierte ich mich immer öfter und schrieb meine Bilder. Ich hörte nie mehr damit auf.