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WANN IST KUNST FÜR MICH RELEVANT?

Ich bin eine junge Künstlerin, die Visionen hat.

Ich gehe von Idealen aus und nicht davon, ob etwas am Ende wirklich erreicht werden kann oder wird. Ohne Idee und Vision wird man ja erst gar nicht Künstlerin;-).

Ich wurde einmal gefragt, ob ich glaube, dass Kunst eine Gesellschaft verändern kann. Ich denke: Jeder von uns ist EIN Teil EINER Gesellschaft. Kunst kann verändern, wenn sie Veränderungspotenzial in sich trägt, weil ihr Schöpfer etwas ändert (eine gewohnte oder gewöhnliche Vorgehens- oder Verhaltensweise) und wenn ein Großteil der Menschen einer Gesellschaft samt ihrer selbsternannten oder gewählten Oberhäupter FREIE Kunst als relevant erachtet.

Überraschenderweise steht über Kunst im Duden noch immer sie sei:

„Schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialen oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in AUSEINANDERSETZUNG MIT NATUR UND WELT.“

Dies ist mein erstes und letztes Zitat und ich denke es erübrigt sich zu fragen, warum ich „noch immer“ sage.

Kunst ist relevant, wenn sie nicht zitiert, sondern aussagt.

Ich nehme an, als Künstlerin habe ich „noch immer“ die Freiheit ehrlich  zu sagen, was ich denke und spüre, was ich sehe und wahrnehme, was ich wirklich fühle und was meiner Meinung nach fehlt —

denn es ist genau das, was in unserer Gesellschaft, der Kunstwelt, der Philosophie, der Wissenschaft, der Politik, in unserem Leben heute fast immer fehlt:

Das Fühlen fehlt und ohne Fühlen gibt es keine Kunst.

KUNST IST RELEVANT, WENN SIE ZEITRELEVANT IST, wenn man an ihr im Moment den Zustand einer Person oder einer ganzen Welt ablesen kann.

Kunst ent-wickelt sich aus etwas heraus, z.B. aus einer persönlichen Situation oder Erfahrung, aus einem gesellschafts-politischen oder prozess-analytischen Umstand. Sie entsteht nicht für oder gegen etwas.

Kunst ist relevant, wenn sie nicht präsentiert, sondern kreiert, wenn sie DAS ANDERE und nicht DEN ANDEREN darstellt.

In unserer Zeit heißt das, wenn die Kunst antimaterialistisch oder immateriell wirkt, weil der Materialismus überhand genommen hat.

In ihrem ursprünglichen Sinn stößt Kunst unweigerlich auf Resonanz.

 —  das kann im Schöpfen oder auch beim Betrachten der Kunst geschehen.

Wenn Egoismus, Existenzangst, Karriere-oder Machtstreben, wenn Politik, Markt oder Wissenschaft die Kunst beeinflussen kann sie nicht relevant sein, weil sie nicht mehr ORIGINAL ist,

d.h. aus dem Herzen, aus der Seele, aus dem Ur-Zustand kommend.

In ihrem Urzustand, in ihrer UR-IDEE bringt Kunst Wandel (innerlich und oder äußerlich) wie die Liebe, das Leben oder die Philosophie.

Der Weg ist das Ziel.

Kunst ist relevant, wenn sie gleichzeitig harmonisch (im Sinne von Schönheit und der Natur) und disharmonisch (im Sinne von aufzeigend, wahrheitssuchend- oder- stiftend-, kritisch) ist, wenn sie unabhängig und originell, ehrlich, klar, grundlos aber nicht belanglos ist, wenn sie einen nicht in Ruhe lässt (im Gegensatz zu Sofa- oder Staatskunst) oder wenn man nicht von ihr lassen kann, —

aber auch wenn sie einen in Balance bringt, wenn sie hoffnungs-und humorvoll ist, wenn man sich freut mit ihr zu sein.

Die Orte, an denen Kunst gemacht oder ausgestellt wird, die Personen, die sie besprechen, sammeln oder verkaufen sind nicht für die Relevanz der Kunst relevant.

Kunst ist nicht relevant, wenn sie nur Räume, Wände oder irgendwelche Lücken füllt. Sie wird dadurch nur bekannter.

Wenn alle die Kunst kennen und jeder Kunst kann, ist sie irrelevant geworden, weil sie einen Zweck erfüllt. Dann darf sie in die (Kunst-oder Lebens-, manchmal gar Menschheits-) GESCHICHTE eingehen.

EINE AUSSTELLUNG IST RELEVANT, WENN DER KÜNSTLER ODER KURATOR DAHINTER UNWICHTIG WIRD-

WEIL DER WAHRE KÜNSTLER ODER KURATOR DER KUNST DIENT UND NICHT UMGEKEHRT.

Jeder Mensch, der für die Kunst arbeitet sollte sich fragen:

Ist Kunst an Sich (für mich) überhaupt wichtig?

Oder ist es ehrlich betrachtet etwas anderes, das mich hierher geführt hat?

Kunst ist für mich als junge und freischaffende Künstlerin immer relevant, weil ich damit lebe, dass ich von ihr nicht und ohne sie nicht leben kann. Ständig suche ich nach einem Umfeld, indem sich meine Kunst frei entfalten kann.

Schwäbisch Gmünd hat Potential. Massenweise leerstehende Räume, eine erholsame Umgebung, kreative und weltoffene Menschen, Kulturgelder, ein Museum mit Galerie, das Labor im Chor, den Kunstverein, das Unikom,  die Theaterwerkstatt, diverse Festivals, die Jugendkunstschule, das Zappa.

Es fehlt: ein Raum für JUNGE KUNST und damit meine ich nicht einen Raum für junge Leute, die Kunst machen.

Jung steht hier für experimentierfreudige, neue Wege erkundende , Wissen generierende, eröffnende, frische, wache, unbehandelte, ungehandelte, FREIE Kunst.

Jung bedeutet hier auf NICHTS aufbauend und mit dem NICHTS spielend-LERNEND im Gegensatz zu Erwachsener Kunst die aus etwas erwachsen konnte und nicht mehr wachsen muss, sich oft nur noch profiliert und selbst kopiert, die unter-richtet werden kann.

Als 19-Jährige hatte ich mir in der Galerie im Prediger Günther Ueckers Arbeiten angesehen. Er hat mich damals dazu gebracht weiter zu machen. Wie er zu seiner Zeit fühle auch mich zu meiner Zeit irgendwie an einem kulturellen Nullpunkt angekommen.

KUNST IST RELEVANT, WENN MAN NICHT NACH IHRER RELEVANZ FRAGT, wenn Worte außer Diskussion stehen oder wenn innere Mono- oder Dialoge angeregt werden.

EXISTIERT heute eine Förderung, ein Raum, Interesse für Junge Kunst in Schwäbisch Gmünd?

Ich wünsche mir eine Kunst wie sie im Duden steht …

… und für die JUNGE KUNST wünsche ich mir einen OFFENEN Raum, den nicht nur Altbekannte, sondern ALLE Kulturinteressierten inklusive der kaum in Erscheinung tretendenden Gruppe der 20-50-Jährigen besuchen, weil auch diese sich dort zeigen, frei äußern und willkommen fühlen darf.

Für die Zukunft wäre es doch schön, diese eine Lücke in Schwäbisch Gmünd noch zu füllen.

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