Zum Inhalt springen

ZYKLEN

MARC AUREL SELBSTBETRACHTUNGEN IN WESTDEUTSCHER UND (FAST UNBEMERKBAR ZENSIERTER) OSTDEUTSCHER AUSGABE

X

V

2020

ATELIER BERLIN SCHÖNEWEIDE. 2009

Wenn ich mir heute ansehe was ich vor zehn oder elf Jahren gemacht habe, bemerke ich, dass ich damals wohl visionär gelebt und gearbeitet habe. Und dabei verspüre ich keinen Stolz. Heute ist genau das eingetreten, was ich vorausgeahnt aber nie für möglich gehalten hätte.

1984/2010: LEITSÄTZE AUS GEORGE ORWELLS 1984: KRIEG IST FRIEDEN. IGNORAN IST STÄRKE: FREIHEIT IST SKLAVEREI.

All die Bücher die ich damals gelesen habe und all die Menschen die sie geschrieben haben (Lew Kopelew, Paul Celan, Marion Dönhoff, Lea Grundig, Alexander Solschenizyn um nur einige zu nennen – ) haben sich mit aller Kraft dafür eingesetzt, dass die Menschheit sich erinnert, sich besinnt, aufwacht, sich hinstellt und lernt aus der Geschichte, sich zusammentut und aufsteht, sobald etwas jemals auch nur in diese Richtung gehen würde.

ENTSTEHUNG #3: ICH BIN SCHULD: DU BIST SCHULD. ER IST SCHULD. SIE IST SCHULD. ES IST SCHULD.WIR SIND SCHULD. IHR SEID SCHULD. SIE SIND SCHULD

Monatelang habe ich in meinem Atelier in völliger Isolation viele Meinungen und Erfahrungen gelesen, sie auf ihren Gehalt geprüft und die die ich gut nachvollziehen konnte teilweise oder ganz abgeschrieben, nachgedacht, in meditativer Obsession aus Zahlen erwachsende Baumringe geschrieben, welche Zahl um Zahl Tag um Tag des ersten und des zweiten Weltkriegs beschrieben, leise und trauernd den Opfern des Massakers von Katyn gedacht, jedem einzelnen der 22 000 Intellektuellen , die damals in kürzester Zeit durch einen Nackenschuss hingerichtet wurden, weil sie nicht systemrelevant sondern gegen das System agiert hätten oder sogar einfach nur friedlich geblieben und zuhause ihrer Arbeit nachgegangen wären, ihren Gedanken nachgehangen hätten. … –

ATELIERANSICHT MIT BAUMRINGEN. 2010

Nach ca 2 Jahren intensivster Auseinandersetung musste ich mich von diesem Thema verabschieden, weil es zu schwer für meine Seele wurde.

ENTSTEHUNG #2: ERGIBT ALLES EINEN SINN? ALLES ERGIBT EINEN SINN! IST DAS LEBEN SCHÖN? DAS LEBEN IST SCHÖN!

Je mehr Wissen ich sammelte und je mehr Meinungen ich las, desto weniger wusste ich und desto weniger verstand ich, wie so viele Menschen sich so verlieren und so blind sein können, dass ein System entsteht, das nichts mehr mit Menschlichkeit zu tun hat.

Von einem Tag auf den anderen wurde mir bewusst, dass ich mich nicht mehr um die Vergangenheit kümmern durfte, weil jetzt meine Zeit ist und weil sich jeder von uns jederzeit und damit auch heute für die Zukunft einsetzen und entscheiden kann.

ENTSTEHUNG #2 UND FEDERHANDSCHRIFTLICHE ABSCHRIFT MEINES ERSTEN KOMPLETTEN BUCHES: „ZUM EWIGEN FRIEDEN“ VON IMMANUEL KANT

Heute sitze ich in meinem gemütlichen Zuhause , denke nach, höre Musik, trinke Tee, aber mein Bauch schnürt sich zusammen und ich bekomme Angst, wenn ich höre, dass die Regierung sich nun kümmern will um all die sogenannten Verschwörungstheorien die sich gerade um die sogenannte Coronakrise aufbauen und dass die Polizei immer härtere Massnahmen ergreift gegen die Demonstranten, die sich (ihrer Meinung nach) für Freiheit und Bürgerrechte auf die Strasse wagen, obwohl Versammlungsfreiheit, Demos und Zusammenkünfte ja (gerade) untersagt sind.

Beide Seiten versetzen mich in Angst und beide Seiten arbeiten mit Manipulation, WEIL beide Seiten manipuliert und voller Angst sind.

Diese Thematik ist so komplex, dass man sich kaum noch wagt etwas dazu zu sagen ohne falsch verstanden und verurteilt zu werden.

Und gerade das ist das Gefährliche daran.

KONTROLLE. 2012

Ich frage mich jeden Tag: Was ist heute wirklich visionär und welche Aufgabe fällt mir nun zu? Warum bin ich und warum sind alle so verwirrt und planlos? Und warum erinnert uns so viel an alte Zeiten?

Im Moment könnten wir noch nicht einmal ins Exil. Alle Grenzen sind zu! Weltweit!— Angst stiftet Verwirrung und kennt keinen Plan.

Und wir sollen ganz offensichtlich auch nicht in´s Exil. Und vielleicht sollen wir auch einfach mal keinen Plan haben. Wir sollen mit uns alleine zuhause sitzen und abwarten, was kommt- und zwar aus unserem Inneren. Und damit soll jeder von uns arbeiten. Denn genau da liegen die Erinnerungen an alte Zeiten, an die wir nicht erinnert werden wollen, weil sie uns einmal in Angst und Schrecken versetzten, an die wir uns aber erinnern müssen, wenn wir den Schmerz und das erfahrene Leid (er-) lösen wollen.

Ich weiss bisher wirklich nicht, was genau hier gerade passiert, aber ich sehe und spüre, dass das im Moment kollektiv ist und dass es der ganzen Welt so geht. Und schon habe ich etwas gelernt:

Wenn ich nicht weiss, wem ich glauben kann, will oder soll und wenn es keine Lösung des Problems gibt, muss ich mich auf mich selbst beziehen, mich selbst hinterfragen und ich kann mich im Moment nur auf mein Gefühl verlassen, denn der Verstand bringt mich an dieser Stelle nicht weiter. Narzissmus oder Ablenkung auch nicht und ebensoweing die Wissenschaft.

Unser Denken braucht eine Richtungsänderung.

Wenn mir etwas Angst macht, muss ich sehen, woher sie kommt, dort aufräumen und willkommen heissen, was dann geschieht.

Wenn ich persönlich mehr Angst vor dem Klimawandel oder vor Überwachung habe als vor einem Virus muss ich nicht denjenigen verurteilen, der sich mehr vor dem Virus fürchtet. Ich muss mich fragen, warum ich so viel Angst vor Überwachung habe oder vor dem Klimawandel oder vor etwas anderem mir bisher Unbekannten, weil das Nichtwissen es ist was mir Angst macht.

Da muss ich Licht reinbringen. Das will beleuchtet werden.

Des-oder Nullinformation ist dasselbe wie Schatten oder Dunkelheit.

Erst wenn ich erfahren habe, was im Dunkeln lag, lasse ich mich nicht mehr von der Angst manipulieren. Ich orientiere mich im Jetzt, an der Erde und an Menschen und Theorien, deren tiefes Wissen und deren positive Energie ich zutiefst schätze, weil nur diese dazu fähig sind, Frieden zu schaffen und dauerhaft in Heilung zu führen- auf persönlicher und auf kollektiver Ebene.

Immer wenn ich wirklich aus meinem Herzen frage was hier passiert, spüre ich: Diese Zeit ist ein Geschenk. Wir im Kollektiv mitsamt unserer Erde erholen uns gerade von den Strapazen der letzten (paar hundert ??) Jahre und wenn wir vertrauen und zuversichtlich sind wachsen wir in dieser Stille dem Licht und der Liebe entgegen.

Heute können wir uns (wieder) über ein Netz verbinden und unsere Welt verändern und damit meine ich nicht allein das Internet. Die Zeiten haben sich geändert und wir haben Zeit, uns zu besinnen und uns zu positionieren. Diese Zeit ist unsere Zeit und unsere innere Freiheit, unser innerer Frieden kann äussere Freiheit und äusseren Frieden mit sich bringen.

Wir brauchen nur Geduld und Einfühlungsvermögen.

SELBSTPORTRAIT 2010 NEW YORK: SPIEGLEIN SPIEGLEIN AN DER WAND…HAST DU DIE LÖSUNG IN DER HAND?

# 1

SCHRIFTBILD # 1. 2009. Tinte auf Papier. 120 x 120 cm

Nachdem ich mich 11 Jahre lang der Fotografie hingegeben und nun ein Fotodiplom in der Tasche hatte, wollte ich ganz plötzlich nichts mehr damit zu tun haben. Die letzten 3 Jahre, in denen ich mich nur noch mit Flucht und Vertreibung, mit Krieg und Heimatlosigkeit befasst hatte waren mir zu nahe gegangen. Ich hatte die Themen so tiefgehend bearbeitet, dass ich mich davon erholen musste. So saß ich nun in meinem neuen Atelier in Berlin und beschloß, von nun an nur noch das zu tun was wirklich mir und meinem Wesen entspricht und alles nachzuholen was ich in den Jahren des Studiums vermisst hatte.

Monatelang las ich Bücher und Gedichte, zeichnete und philosophierte, drehte mich in Gedanken um Gott, die Welt und um mich selbst, ging stundenlang spazieren, versuchte zu schreiben und fand keine Worte, spürte in Schöneweide den Energien nach, die ganz offensichtlich die von Tausenden von Arbeitern unter Zwang, Krieg und Überwachung waren, verkroch mich in verlassen Gebäuden und Gärten

… spielte und seufzte …

und eines Tages stand ich auf, besorgte mir eine grosse Rolle Papier und Tinte und begann meditativ zu schreiben: “ Ich muss wieder schreiben, weil ich immer schreiben musste um mich nicht im Kreis zu drehen.

Als ich die Feder absetzte und das Ergebnis sah wusste ich, dass ich genau das gesucht hatte, dass es genau das war was ich in Zukunft machen wollte, dass das meine Sprache, mein Ausdruck und meine Heilung war. In den nächsten 2 Jahren isolierte ich mich immer öfter und schrieb meine Bilder. Ich hörte nie mehr damit auf.

TAUSENDJÄHRIGER TEMPEL

XIX

VI

2008

Ich sitze in der Wolfsschanze, Hitlers ehemaliges Hauptquartier.

Das Wetter ist grau, wie es sich für einen solchen Besuch gehört. Da ich den ganzen Tag nichts gegessen habe, setze ich mich in das Restaurant, das nur eines der vielen Dinge ist, die zur kommerziellen Vermarktung dieses schauerlichen Ortes beitragen. Am Tisch neben mir sitzt eine Gruppe deutscher (Heimweh)touristen, die sich über die Preise beklagen und sich über Eichhörnchen und deren „bösartiges“ Verhalten unterhalten.

Fotografieren ist hier nicht erlaubt, das Betreten der Bunker sowieso nicht. Ich werde das für meine Diplomarbeit trotzdem auf mich nehmen.

Hitlers Bunker, das ist ein gehässiges Gebirge mitten im Wald. Ein Amphitheater des Schreckens im Inneren. Überall kommen einem rostige Eisenstangen wie Schlangen entgegen, als würden sie ums Überleben kämpfen, und darum, das unerschütterliche Gemäuer zusammenzuhalten.

Schwindel überkommt mich und ein Gefühl, das aus so vielen besteht , dass es sich nur schwer beschreiben lässt…Hass, Wut, Ungläubigkeit, ein Stück Ehrfurcht, aber v.a. Unverständnis, tiefe Trauer und Ekel. Ich bin umgeben von Stechmücken. Hier gibt es eine regelrechte Mückenplage.

Hin und wieder raschelt es im Gebüsch.

Die Natur holt sich alles zurück, überwuchert diese Zeugen diesen Rausch aus Wahnsinn und Boshaftigkeit. Hier wohnt das Elend. Übermächtig sind die Brennesseln. Ein natürlich gewachsener Zaun. Auch ohne Schilder bekommt man hier den Rat nicht zu tief einzudringen. Es lauert Gefahr für die Seele.

Als ich danach einen anderen Bunker durchquere, bebt es über mir. Es rattert und knattert und einen Moment lang habe ich Angst das Ganze könnte über mir einstürzen. Aber diese Werke sind unkaputtbar. Hier will ich nicht enden. Nicht einmal Hitler wollte das. Er hat sich früh genug aus dem Staub gemacht und den ganzen Wald in die Luft gejagt, um überall Teile „seines Tausendjährigen Reiches“ zu hinterlassen.

Das Geräusch über mir war nur ein Waldarbeiter, der die Bunker freimacht, damit diese Monster auch in Zukunft als Denkmäler und Touristenattraktion dienen können. Ich bin zwiespältig, was das angeht. Aber zumindest als ich den Ausgang erreiche bin ich dankbar und erleichtert.

EINS NACH DEM ANDERN – RHIZOMA LIVE BLOG

Dies ist mein neues Baby. Mein Werktagebuch.

Es wird wahrscheinlich so werden wie ich.

Etwas launisch aber ehrlich, sich stetig wandelnd aber stilecht.

Als ich lernte zu gehen, bin ich ständig gegen Dinge gestossen,

bis meine Eltern eine Sehschwäche bemerkten.

Von da an hielten mich alle für halb blind

und ich fühlte mich immer irgendwie anders als alle anderen.

Dadurch habe ich oft an der Wahrheit gezweifelt und

das Sehen vielleicht aus Trotz besonders geschult.

Manchmal sah oder spürte ich Dinge, die die

anderen nicht sehen oder spüren konnten.

Auch heute ist das noch so. Und ich stosse noch immer gegen Dinge.

Aber heute weiss ich, dass ich eben so bin und nutze

diese Gabe für gute Zwecke.

An Auffassungsgabe und Phantasie fehlte es mir nie.

Diverse Zweifel hatte ich jedoch immer.

An der Gesellschaft und an mir als Teil davon.

Zeichnen, Schreiben und die Philosophie halfen mir

immer wieder mich zu sortieren und neu zu definieren.

Und ebenfalls die Arbeit mit Körper, Geist und Seele.

Mein Wesen drückt sich gern in Bildern und in Worten

aus, je nachdem, wonach mir gerade ist.

Meine Kunst ist meine Sprache.

Meine Hände sind mein Werkzeug.

Meine Gedanken jeweils Begleiter ihrer Zeit.

Und diese wird zeigen was sich daraus entwickelt.